Entwicklungsgeschichtlich stehen die Arten der Viktoriasee-Cichliden noch sehr eng zusammen. Dies muss man berücksichtigen, wenn man mehrere Arten in einem Aquarium pflegen will. Man sollte unbedingt vermeiden, ähnlich gezeichnete und gefärbte Arten gemeinsam in einem Aquarium zu halten. Es kann dabei leicht zu unerwünschten Hybriden kommen. Aber auch bei sehr unterschiedlich gefärbten Arten kann es vorkommen, dass sich während des Laichvorgangs einer Art ein Männchen einer anderen Art “dazwischen mogelt”.

Ich halte grundsätzlich nur jeweils eine Art in einem Aquarium. Einzige Ausnahmen: Die Art Astatoreochromis alluaudi und Astatotilapia nubila sind mit den anderen Arten nur entfernter verwandt und können deshalb mit ihnen vergesellschaftet werden.

Das Wasser

Die Wasserwerte im Viktoriasee:

ph-Wert KH dGH Temperatur Leitwert
6,9 - 9,0 2 - 3 1 - 8 21° - 30°C 60 - 145 mS/cm

Wichtig ist ein regelmäßiger Wasserwechsel von 1/3 der Menge spätestens alle 10 Tage. Ein guter Außenfilter ist von Nöten. Ein zusätzlicher Schnellfilter ist begrüßenswert. Wenn man einmal feststellt, dass die Fische lustlos am Boden stehen und man ihr übliches aufgeregtes Schwimmen vermisst, ist es allerhöchste Zeit, einen größeren Teilwasserwechel durchzuführen. Dieser Wasserwechsel duldet keinen Aufschub.

Die Ernährung

Obwohl die Cichliden sich im See auf verschiedene Nahrung spezialisiert haben, ist es doch relativ einfach, sie zu ernähren. Ein abwechslungsreiches Futterangebot könnte bestehen aus Salat, Löwenzahn, Spinat,(alle nicht überbrüht), Zucchini, Salatgurke, Wasserflöhe, Cyclops, Artemia, auch frisch geschlüpfte, schwarze und weiße Mückenlarven, Krill, Mysis, Fischeier, Krebseier, Fischbrut, Futtersticks, Granulat und Flockenfutter.

Das Aquarium und seine Einrichtung

Für einige wenige Arten genügt schon ein Aquarium von 160 Ltr. Inhalt, viele benöigen aber 200 – 240 Ltr. einige größer werdende Arten aber auch 500 Ltr.und mehr. Die bei den einzelnen Arten angegebenen Aquariengrößen beziehen sich auf die Überlegung, dass die Tiere auch ausgewachsen noch Platz haben müssen. Junge Tiere können auch in kleineren Behältern gepflegt werden, wobei 100 Liter bei einer Jungtiergruppe möglichst nicht unterschritten werden sollte.

Brut- / Aufzuchtbehälter sollten wenigstens 20 Liter Volumen haben.

a.) Fische des Freiwassers

Fische des Freiwassers benötigen kaum Dekoration im Becken. Feinkörniger Kies oder Sand und ein wenig Randbepflanzung ist für diese Arten ausreichend. Ein Stein auf dem Boden als Orientierungspunkt für ein laichbereites Männchen und eine Röhre, in die sich ein brütendes Weibchen zurückziehen kann, vervollständigen die Einrichtung.

  • 1_freiwasser

b.) Schneckenfresser

Schneckenfresser benötigen eine größere Sandfläche und einige Steinhaufen an den Aquarienseiten. Dazu sollten Verstecke für unterdrückte Tiere oder brütende Weibchen eingeplant werden.

Bei kleineren Aquarien sollte auf eine größere Sandfläche zu Gunsten von Felsverstecken verzichtet werden.

  • 2_schneckenfresser

c.) Felsenbewohnende Insektenfresser, Detriusfresser, Pädophagen und Fischfresser

Für diese Gruppen hat sich folgende Einrichtung bewährt:

  • Drei kleinere Steingruppen, die nicht höher als die Hälfte des Beckens sind, verteilen sich über dem Sandboden so, dass links und rechts im hinteren Teil des Beckens jeweils eine eingebaut wird und die dritte im mittleren Teil weiter vorn.
  • Ein bis zwei Verstecke, in denen sich unterlegene bzw. brütende Tiere zurückziehen können.
  • Bepflanzt werden kann mit Anubias, Java- oder Kongofarn, Cryptocoryne crispatula var. balansae.
  • 3_felsenbewohner_insektenfresser

d.) Felsenbewohnende Algenfresser

Für felsenbewohnende Algenfresser hat sich eine ähnliche Aquarieneinrichtung bewährt, mit dem Unterschied, dass es hier sehr wichtig ist, dass das Aquarium höher sein sollte. Denn die unterdrückten Tiere und Weibchen sind in den oberen Wasserschichten sicherer als wenn sie sich am Grund verstecken. Größere Aufsitzerpflanzen bieten den oben schwimmenden Tieren außerdem noch einigen Sichtschutz. Deshalb sollte man bestrebt sein, in solch ein Aquarium möglichst dichte Büschel von Javafarn so auf den Felsen zu platzieren, dass sie fast bis zur Wasseroberfläche reichen.

  • 4_felsenbeweohner_algenfresser

Viele Arten buddeln gerne große und / oder tiefe Laichgruben. Deshalb ist darauf zu achten, dass die Steinaufbauten nicht untergaben werden können, da sonst Einsturzgefahr besteht und die zusammenfallenden Felsstücke ziemlichen Schaden anrichten können. Bewährt haben sich die seit einigen Jahren auf dem Markt angebotenen Kunststofffelsen. Sie sind innen hohl, also sehr leicht und haben den Vorteil, dass die Männchen gerne den Steininnenraum als ihr Laichrevier einrichten und sich so auf weniger Platz beschränken, als wenn sie im freien Aquarienraum ihr Revier abstecken.

Die Besatzdichte

Da ich nur immer eine Art in einem Becken pflege, setze ich davon immer mindestens zehn Tiere zusammen. Die Männchen der meisten Arten sind mehr oder weniger aggressiv zu ihren Artgenossen. Durch die sparsame Einrichtung sehen sich die Männchen fast ständig und die Aggressionen verpuffen so ohne Schaden anzurichten. Darum setze ich bewusst viele Männchen mit wenig Weibchen zusammen. Die Weibchen suchen sich ihren Brutpartner selbst aus. Das bedeutet, dass die Männchen mit ihresgleichen genug zu tun haben und die Weibchen nicht allzu sehr bedrängen.

Von dem Verhältnis 1/4 o.ä. sollte man Abstand nehmen. Hier werden die Weibchen nur gejagt und haben keine Auswahl an Partnern. Außerdem kommt es zu einer Massenvermehrung dieser Art, was ebenfalls nicht wünschenswert ist. Denn wo soll man den ganzen Nachwuchs lassen?

Die Fortpflanzung

Die Cichliden des Viktoriasees sind Maulbrüter. Die Männchen tragen in der Afterflosse mehrere Eiflecke, die von einem dünnen graufarbenen Kreis umrahmt werden. Manchmal tragen auch die Weibchen Eiflecken. Diese sind aber sehr klein und werden nicht durch Ringe begrenzt.

Das fortpflanzungswillige Männchen verändert seine Farbe, meist zu kräftigeren etwas dunkleren Farbtönen und beginnt, seinen Reviermittelpunkt, der meist hinter einem Stein liegt, heftig gegen jeden zu verteidigen. Einige Arten legen tiefe Laichkuhlen an, andere flache oder gar keine.

Während das Männchen an seiner Kuhle gräbt, dabei aber auch immer die anderen Fische im Auge behält und sie verjagt wenn sie zu nahe kommen, findet er immer wieder Zeit zwischendurch, das oder die laichreifen Weibchen anzubalzen. Nach einer gewisssen Zeit nähert sich ein Weibchen und hält sich in der Nähe der Mulde auf. Während alle anderen Fische weiterhin verjagt werden, bleibt diese Dame unbehelligt. So geht es eine ganze Weile: Buddeln, Jagen, Balzen. Schließlich kommt es zur Eiablage. Abgelaicht wird nach der Eifleckmethode, die allgemein bekannt sein dürfte.

Nach dem Ablaichen verlässt das Weibchen mit gefülltem Kehlsack den Laichplatz und gesellt sich wieder zu den anderen Tieren ihrer Art, hält aber einen gewissen Abstand. Im Verlauf der Brutzeit findet man sie immer öfter in der Nähe von Pflanzendickichten oder Höhlen, also Versteckmöglichkeiten. Manche Weibchen bilden ein kleines Revier, welches sie gegen alle anderen Fische heftig verteidigen. Hier werden dann später die Jungen abgesetzt und beschützt.

Die Brutpflege wird von den Müttern ausgeführt. Allerdings hat der Wissenschaftler Ole Seehausen einmal beobachten können, dass bei Harpagochromis “orange rock hunter” auch das Männchen bei der Brutpflege aktiv war. Dieses Verhalten konnte auch mehrmals von Hobbyzüchtern beobachtet werden.

Nach einer Tragzeit von ca. 18 bis 21 Tagen, je nach Art und Wassertemperatur unterschiedlich, , werden die Jungen entlassen. Sie werden noch wenige Tage im Maul aufgenommen, wenn Gefahr droht. Der Brutpflegetrieb erlischt aber nach einer gewissen Zeit. Die Zeitspanne ist von Art zu Art unterschiedlich. Bei Freiwasser-Cichliden (Yssichromis) beträgt sie nur 2 Tage, bei anderen bis zu drei Wochen. Ich meine, beobachtet zu haben, dass die Zeitspanne der Brutpflege auch mit dem Feinddruck zusammen hängt. Im separaten Brutbecken ist die Brutpflege nicht so intensiv wie im Gesellschaftsbecken. Hier habe ich aber nur genauere Beöbachtungen bei Paralabidochromis chilotes gemacht.

Das Geschlechterverhältnis der Nachkommen hängt eng mit der Wassertemperatur zusammen. Bei einer Temperatur von 25° C ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen, bei höheren Temperaturen entstehen mehr Männchen, bei niedrigeren mehr Weibchen. Wissenschaftlich ist das allerdings noch nicht bewiesen.

Die Zahl der Jungen hängt auch von der Größe der Mutter ab. Junge Mütter bringen zunächst 6 – 10 Junge zur Welt, ältere oft mehr als 40.

Jüngere Tiere sind sehr fortpflanzungsaktiv, ältere dagegen kaum noch.